Trägerschaft und Finanzierung des Museumsdorfes 1922-1945

Joachim Tautz

Museumsdorf Cloppenburg - Nds. Freilichtmuseum

Die Trägerschaft eines Museums, insbesondere aber die Finanzierung von Museen, scheinen in der Museumsgeschichte eine bescheidene Rolle zu spielen. Blickt man auf die Literatur zur Museumsgeschichte in der NS-Zeit, dann lässt sich diese Feststellung nur noch einmal unterstreichen.

Finanzhaushaltsfragen sind nicht Schwerpunkte der Geschichtswissenschaft, Verwaltungsgeschichtliches ist nur marginal in der Geschichtswissenschaft vertreten. Die finanzgeschichtliche Forschung in den Wirtschaftswissenschaften konzentriert sich auf das Steueraufkommen und sein Entstehen. Systematische Haushaltsanalysen gibt es kaum. Das Kaiserreich ist da etwas besser gestellt, die NS-Zeit wird kaum berührt, gilt zurecht als unübersichtlich und schon deswegen als schwierig, da ein nennenswerter Teil der Kriegs- und Rüstungsfinanzierung sich außerhalb der traditionellen Haushalte abspielte. Das sind keine guten Voraussetzungen, um über die Kulturfinanzierung im allgemeinen und die Museumsfinanzierung im speziellen während der NS-Zeit zu urteilen. Das Beispiel des Museumsdorfes Cloppenburg macht die Probleme deutlich: Die Quellen sind verstreut zwischen Cloppenburg, Oldenburg und Berlin, zudem auch noch unzusammenhängend. Wir wollen es trotzdem wagen.

Das Heimatmuseum für das Oldenburger Münsterland wird 1922 gegründet, seit 1934 ist es Museumsdorf. Der Museumsverein wurde bereits 1921 gebildet, Finanziert wird es von Anfang an bis weit in die NS-Zeit hinein durch das Amtsverband Cloppenburg und durch Zuschüsse, die mehr oder weniger regelmäßig eintrafen. Auch die anderen südoldenburgischen Ämter, Friesoythe und Vechta, gaben Zuschüsse. Hinzu kamen die Gemeinden. Schon 1921 bewilligte der Amtsverband für das Museum 10.000 RM. Amt Cloppenburg und seine Gemeinden gaben bis 1935 etwa 130.000 RM für das Museumsdorf aus, davon 30.000 RM zwischen 1933 und 1935. Die inflationsbedingten hohe Zuschüsse von 800.000 Mk. vom April 1923 und 5 Mill. Mk. vom August 1923 scheinen in dieser Aufstellung bereits umgerechnet worden zu sein. Allerdings fanden Aufforderungen zu Zahlungen an das Heimatmuseum nicht immer Zustimmung. Die Cloppenburger Amtssparkasse wollte 1925 wegen ihrer „erheblichen Aufwertungsverpflichtungen“ nicht die vom Amtsvorstand beantragten 3000 RM abgeben, und die Gemeinde Löningen war 1925 nicht mit einem Zuschuss von 400 RM einverstanden, da sie sowieso durch die Kosten des Amtsverbandes belastet war. Mit dem Hinweis, das habe Missstimmung in den anderen Gemeinden geschaffen, konnten die Löninger schließlich überzeugt werden. Die Beschlusswilligen wiederum zahlten nicht immer pünktlich. Im November 1928 war erst ein Fünftel des vom Amt Cloppenburg bewilligten Betrages überwiesen, so dass das Heimatmuseum mahnen musste.

Träger der Einrichtung war seit 1922 die Stiftung Heimatmuseum für das Oldenburger Münsterland, in der Heinrich Ottenjann Schriftführer wurde, nachdem Museumsverein und Heimatbund auf der Generalversammlung des Heimatbundes in Schwichteler beschlossen, gemeinsam ein Heimatmuseum aufzubauen. Weitere Zuschüsse des Heimatbundes wurden in Aussicht gestellt.

Wichtigste Hilfsmaßnahme von staatlicher Seite, also Landesseite, ist seit 1933 bis 1951 die Beurlaubung Ottenjanns vom Schuldienst, die nur vom – allerdings eingeschränkten – Unterrichtseinsatz zu Beginn des Zweiten Weltkrieges unterbrochen wurde. Die Leitung des Museums übte er auch während dieser Zeit aus. Das Land übernahm ebenfalls die Gehaltskosten, die ja eigentlich während der Beurlaubung ruhten. Vor 1933 waren Anträge aus den Jahren 1927 und 1930 abgelehnt worden. Das Land Oldenburg wollte die Kosten für eine Vertretung, die je nach Einstufung bei 1600 bzw. 2200 RM lagen, auf den Amtsverband abwälzen, der wiederum diese Summen nicht übernehmen konnte oder wollte. Das Ansinnen des Staatsministeriums, das Amt solle doch irgendeine Kraft einstellen, die von Ottenjann beaufsichtigt werden könnte, wurde in Cloppenburg zurückgewiesen: Weder habe man das Geld noch käme jemand anderer als Ottenjann in Frage. Der staatliche Zuschuss von 1000 RM im Jahr 1930 sank 1931 auf den Nullpunkt. Mit der nationalsozialistischen Landesregierung setzte auf staatlicher Seite eine veränderte Politik ein. Nach einem Besuch des nationalsozialistischen Staatsministers Spangemacher im Heimatmuseum wurde Ottenjann zum Schuljahr 1933/34 beurlaubt. Diese Maßnahme wurde bis 1945 in die Mythisierung, die auch von Ottenjann betrieben wurde, einbezogen: Der Nationalsozialismus brachte Beurlaubung und Freilichtmuseum. Das traf umso mehr auf den Besuch des Gauleiters Carl Röver am 3. Oktober 1933 zu. Ottenjann legte seinen Plan für ein Museumsdorf vor und Röver war begeistert. Weiter wird ein wesentliches taktisches Moment in der Einwerbung der Zuschüsse und ähnlicher Förderungsmaßnahmen sichtbar: Ottenjann führt wichtige Besucher, die finanzpolitische u.ä. Beschlüsse fassen konnten, durch das Museum. Auch bei der Suche nach Zuschüssen durch Reichshilfen setzten er und der Cloppenburger Amtshauptmann Münzebrock auf die Wirkung von Besichtigungen. Einladungen wurden ausgesprochen, auf Besuche drängte man. Das Diensttagebuch vermerkt wichtige Besucher, die verschiedenen Institutionen, Wehrmachtseinheiten oder Parteigliederungen in einer Stellung angehörten, die Ottenjann als mehr oder minder einflussreich erschienen.

Die Mythisierung, die mit dem Röver-Besuch verbunden wurde, löste Ottenjann nach 1945 wieder auf. Denn nun behauptete er, Röver habe sich zwar spontan für die Idee eines Museumsdorfes begeistert, nach kürzerer Zeit aber weitaus distanzierter gezeigt. Dötlingen sei als alternativer Standort genannt, die Zeitperspektive immer weiter in die Ferne gerückt worden. Die späteren Einlassungen Ottenjanns erscheinen durchaus plausibel zu sein. Das betrifft sowohl Dötlingen als auch die angedachte Verschiebung des Aufbaus des Freilichtmuseums. Das Land Oldenburg, in dem Gauleiter Röver Reichsstatthalter war, dachte an keine Übernahme des neuen Museumsprojekts, auch wenn Ministerpräsident Joel und Staatsminister Pauly an dem Röver-Besuch teilgenommen hatten. Von ihrer spontanen Begeisterung ist auch nirgendwo die Rede. Immerhin wurde für den Aufbau des Museums der Arbeitsdienst zur Verfügung gestellt, eine Maßnahme, welche die Kosten erheblich senkte.

Seit 1935 wurde – unter Berufung auf Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Röver, der als Schirmherr des Museums fungierte – versucht, Reichsbeihilfen zu erlangen. Allerdings führte die Protektion Rövers auf finanzpolitischem Gebiet letztendlich nicht zu dem erwünschten Erfolg. Einflussreicher erscheint hier seit 1942 der Nachfolger Rövers, Gauleiter Paul Wegener, der technokratischer als Röver agierte. Die Überführung des Museumsdorfes in die Trägerschaft des Landesfürsorgeverbandes ab 1. April 1944 ist offensichtlich auf seine Initiative zurückzuführen, ohne dass er allerdings an einen langfristigen Verbleib beim Landesfürsorgeverband dachte. Aus den oldenburgischen Akten, insbesondere des Ministeriums der Kirchen und Schulen, und denen der Reichskanzlei geht hervor, dass die zuständigen Reichsministerien dem Museumsdorf durchaus positiv gegenüber standen. Aber ungeklärt war die Zuständigkeit: Reichsinnenministerium oder Reichserziehungsministerium? Das erstgenannte hatte nur einen kleinen Etat, der für den Deutschen Heimatbund aufgebraucht wurde, das letztgenannte hatte keinen Etat für außerpreußische Museen. Diese Kompetenzschwierigkeiten dauerten bis zum Ende des NS-Staates an, verlagerten sich aber. Zunehmend beanspruchte das Reichspropagandaministerium die Zuständigkeit für die Museen, ohne sich allerdings finanzpolitisch einzuschalten. Als Lösung wurde 1938 ein Antrag bei der Reichskanzlei gefunden, die 1938 „aus Mitteln, die dem Führer für kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen“ 15.000 RM überwies. Damit scheinen aber die Beihilfeanträge an Reichsministerien ein Ende gefunden zu haben.

Wenn man die Aufgaben eines Museums und den Namen „Landesfürsorgeverband“ nebeneinanderstellt, dann löst das Irritationen aus, zumal wenn man die Geschichte des Landesfürsorgeverbandes in Betracht nimmt. In der Trägerschaft des Landesfürsorgeverbandes befand sich ebenfalls die Landeskrankenanstalt in Wehnen, deren unheilvolle Rolle während der NS-Zeit bekannt ist. Der dort durch Hungerrationen faktisch ausgeübte Krankenmord ist in den letzten Jahren durch einen Wissenschaftler der Universität Oldenburg öffentlich vornehmlich mit der Kulturförderung in Verbindung gebracht worden – auf die kurze Formel gebracht, der Aufbau des Museumsdorfes sei durch den Krankenmord in Wehnen finanziert worden. Ins Feld geführt werden dafür eine jährliche Bezuschussung in Höhe von 2500 RM und eben die Übernahme im Jahr 1944. Die Landeskrankenanstalt in Wehnen war zunehmend überbelegt, die Kostensätze wurden systematisch gesenkt. Die These, dass die zum Tode unzähliger Patienten führenden Einsparungen in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen der Intention unterlagen, die Kultur zu finanzieren, lässt sich quellenmäßig nicht belegen. Die Beträge für das Museumsdorf Cloppenburg im Rechnungsjahr 1945 wurden durch die Erhöhung der Umlage finanziert. Die kostenintensiven Abbau- und Rekonstruktionsarbeiten des Museumsdorfes waren obendrein zu dem Zeitpunkt der Übernahme durch den Landesfürsorgeverbandes kriegsbedingt abgeschlossen. Ottenjann konnte deswegen nach 1945 wahrheitsgemäß behaupten, dass der größte Teil der Kosten aus dem Münsterland beglichen worden war.

Außer Acht gelassen wird bei dieser Behauptung außerdem, dass die Finanzsituation aller Jahre zwischen 1933 und 1945 von Rüstung und Kriegführung bestimmt wurde. Symptomatisch sind die Äußerungen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zu den Zuschusswünschen des Landestheaters in Oldenburg 1937: „Eine Erhöhung dieser Mittel kann im Hinblick auf den vordringlichen Ausbau der Wehrmacht und die Durchführung des Vierjahresplanes nicht erfolgen. (…) Infolgedessen können auch die Zuschüsse des Reiches für Theater in der nächsten Spielzeit nicht in dem Umfange bewältigt werden, wie ich dies wohl gewünscht hätte und auch für notwendig halte. Dieses Opfer muss aber zur Erreichung der großen nationalsozialistischen Ziele und zur Vermeidung ernster wirtschafts- und währungspolitischer Gefahren gebracht werden.“ Das heißt nicht, dass es ähnliche Überlegungen gerade bei der Gauleitung und der Landesbauernschaft nicht gegeben hätte. Schon 1936 hatte der Landesbauernführer bei der Gauleitung angefragt, ob nicht die sog. West-Ost-Siedlung durch solche Maßnahmen finanzierbar sei. Die Ministerialbürokratie hatte den Vorschlag zurückgewiesen, nicht weil man von solchen Einsparungen nichts hielt, das Finanzaufkommen für sog. Geisteskranke, Idioten und Blinde senkte man auch in Oldenburg, sondern weil man die West-Ost-Siedlung nicht unterstützte, man wollte die Ödlandkultivierung im eigenen Lande vorantreiben.

Der Landesfürsorgeverband wurde im Juli 1924 durch Gesetz, das Ausführungsgesetz zur Fürsorgepflichtverordnung, als dem oldenburgischen Innenministerium unterstellte Behörde gegründet, die sich insbesondere der Kriegsbeschädigtenfürsorge zu widmen hatte. Erst 1933 wurde der Landesfürsorgeverband als kommunaler Zweckverband eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, deren Mitglieder die amtsfreien Städte und die Ämter des Landes Oldenburg wurden. Die Kompetenzen und Trägerschaften erweiterten sich seitdem. Ab 1937 war er auch zuständig für die Verwaltung der Stiftungen im Land, die vorher die Kommission für die Verwaltung der Fonds und milden Stiftungen innehatte, schließlich die Oldenburg-Bremische Arbeiterkolonie Dauelsberg; 1938 kamen die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen und die Gehörlosenschule in Wildeshausen hinzu. Ein Jahr später wurde der Verband zuständig für die neue Versorgungskasse Oldenburg für die Beamten der Gemeinden und Gemeindeverbände des Landes Oldenburg. Im selben Jahr wurde auch die Tierkörperbeseitigung dem Landesfürsorgeverband unterstellt. Über die Oldenburger Frauenklinik war der Landesfürsorgeverband seit 1941, seit der 6. Durchführungsverordnung zum Hebammengesetz, Träger der Hebammenausbildung. Und dann kam 1944 das Museumsdorf Cloppenburg hinzu. Allerdings hatte es schon seit 1939 Beihilfen zur Förderung kultureller Unternehmungen gegeben. Finanziell sicherlich wesentlichste Unternehmung war die Ferngasversorgung Weser-Ems GmbH, die 1940 mit einem Eigenkapital von 800.000 RM gegründet wurde.

Worauf ist dieses Expansionsstreben in unterschiedliche Bereiche zurückzuführen? In aller Kürze: Mit dem NS-Staat wurde das Reich zur faktisch alleinentscheidenden Finanzinstanz. Das Reich wies de jure Ländern und Kommunen ihre Gelder zu. Mit der Realsteuerreform von 1936 gingen Grundsteuer und Gewerbesteuer ausschließlich an die Kommunen, während bis dahin auch die Länder beteiligt waren. Allerdings stiegen auch gleichzeitig die Kommunalausgaben. Das Finanzausgleichsgesetz von 1938 schränkte die Kommunen erneut ein, da ihnen die Anteile an der Grunderwerbssteuer weggenommen wurde. Grundsätzlich war eine Reichsreform geplant, die eine Auflösung der Landesebene zur Folge gehabt hätte. Auf die widersprüchlichen Einzelheiten dieser Planungen muss ich hier verzichten, aber die Zuordnung von Institutionen zu Reich, Landesverwaltungen und Kommunen machte dem NS-Staat in vielen Fragen durchaus Probleme. Nur in den Reichsgauen, die nach der Annexion Österreichs, des Sudetenlandes im Jahr 1938 und polnischer Gebiete im Jahr 1939 entstanden, waren praktisch Elemente dieser Reichsreform vorweggenommen. Der Gau Weser-Ems umfasste – das zur Erinnerung – das Land Oldenburg, die Freie und Hansestadt Bremen sowie die beiden preußischen Regierungsbezirke Aurich und Osnabrück, die wiederum zur preußischen Provinz Hannover gehörten. In Preußen bestanden Provinzialverbände, die traditionell vielfältige Aufgaben hatten: Wohlfahrt und Fürsorge wie der oldenburgische Landesfürsorgeverband, aber auch Kultur, Kleinbahnen, wohnungspolitische Aufgaben usw. Damit wurden – ebenfalls traditionell – gleichzeitig die Kommunen und Landkreise entlastet, die diese Aufgaben nicht durchführen mussten und wahrscheinlich auch nicht konnten, dafür aber einen Umlagebetrag zahlen mussten. Auf Amtsebene existierten ähnliche Regelungen – mit veränderten Aufgaben – im Oldenburgischen als Amtsverbände. In diesen Zusammenhang, der durch die noch relativ nebulös bleibende, aber angestrebte Reichsreform abgesteckt wurde, sind die Verhandlungen einzuordnen, die mit der Reichsregierung über die Umwandlung des Landesfürsorgeverbandes in einen Landesverband – im wesentlichen nach dem Muster der preußischen Provinzialverbände – geführt wurden. Elemente wurden schon während des Zweiten Weltkrieges aufgenommen, die Ferngasversorgung ist hier am einschneidendsten, offiziell blieb es aber bei der Bezeichnung „Landesfürsorgeverband“.

Wie sah nun die Situation für das Cloppenburger Museum seit 1939 aus? Diskutiert wurde schon seit Anfang 1938 eine Übernahme des Museumsdorfes durch den Amtsverband. Noch 1941 erschien die Übertragung auf den Landkreis, der die Nachfolge des Amtes angetreten hatte, als geeignetes Mittel. Damit stand die Frage der Auflösung der Stiftung im Raum. Eine solche Übernahme sollte endlich eine „einheitliche wirtschaftliche Verwaltung“ ermöglichen, da die Stiftung aus eigenen Mitteln nicht zur Förderung des Museums in der Lage schien. Diese Überlegungen sind aus dem Scheitern der Bemühungen um regelmäßige Reichszuschüsse zu verstehen, die die Zeit von 1935 bis 1938 geprägt hatte. Im Juli 1938 hatte der Vorstand des Heimatmuseums bei der Landessparkasse zu Oldenburg Verhandlungen über einen Kredit geführt. Nach 1945 wurde diese Situation in einer Stellungnahme Ottenjanns zu seiner Entnazifizierung reflektiert, als er darauf hinwies, die NSDAP-Gauleitung habe ihren finanziellen Versprechungen nur zögerlich eingelöst, so dass es Probleme bei Kreditverhandlungen gegeben habe. Dennoch sollte nicht nur der Landkreis, sondern in gesteigertem Maße ebenfalls die Stadt Cloppenburg als größte wirtschaftliche Nutznießerin zu den Kosten herangezogen werden.

Aus der zeitgenössischen Sicht des Museumsleiters wird der Tod des Gauleiters, des Schirmherrn des Museums als problematisch wahrgenommen worden sein. Erst nach Monaten übernahm Paul Wegener erneut die Schirmherrschaft. Rövers vollmundige Versprechungen für irgendeine Zukunft wurden abgelöst durch technokratische Lösungsmodelle. Wegener ging in der Frage der Bildung eines Reichsgaues Weser-Ems relativ zielstrebig vor. Seit 1944 übte er in den beiden preußischen Regierungsbezirken seines Gaues auch die Funktion des Oberpräsidenten aus, die bis dahin im Rahmen der Provinz Hannover verblieben war. Das Museumsdorf hatte er für die Zeit nach dem Kriege als Teil der Gauselbstverwaltung vorgesehen, die bis zu diesem Zeitpunkt faktisch nicht entwickelt war, wenn auch gerade beim Aufbau des Museumsdorfes immer wieder damit argumentiert worden war, es solle eine Einrichtung des Gaues werden, ohne dass dies allerdings irgendeine institutionelle Form gefunden hätte. Als dieser Gedanke in der Gauleitung 1943 aufkam, war eine Eingliederung in die Gauverwaltung nicht möglich. Eine Übernahme durch das Land verbot sich sowohl aus diesen Gründen als auch wegen der bereits erwähnten Ausdünnung der Landesverwaltung, die gerade in der Stärkung des Landesfürsorgeverbandes sichtbar wurde. Aus der Perspektive der Gauleitung bot es sich deshalb an, das Museumsdorf beim Landesfürsorgeverband bis zum sog. „Endsieg“ zu parken. Damit war aber ein anderes Problem nicht aus der Welt. Beim Landesfürsorgeverband konnte wegen des allgemeinen Verbots der Erweiterung der Stellenpläne keine Stelle für Ottenjann geschaffen werden, schon gar keine Stelle, in der zum Oberstudienrat befördert worden wäre. Ottenjann musste im Schuldienst bleiben, er blieb – übrigens bis 1951- beurlaubt, die Cloppenburger Schule konnte seine Stelle weiterhin nicht besetzen. Das Land überwies dafür dem Landesfürsorgeverband einen Zuschuss in Höhe des Studienratsgehalts Ottenjanns.

Eine entscheidende Finanzierungsgrundlage, die den Betrag des Landesfürsorgeverbandes noch einmal verdoppelte, entstand 1944, als das Museumsdorf Cloppenburg „Gauzweigstelle“ der Forschungsstelle Deutscher Bauernhof wurde. Diese Forschungsstelle war ein Teil des Instituts für deutsche Volkskunde, das in die von Reichsleiter Alfred Rosenberg geplante „Hohe Schule“ der NSDAP eingehen sollte. Mit diesen finanziellen Mitteln konnten fotografische und zeichnerische Dokumentationsarbeiten vorgenommen werden. Das Museumsdorf Cloppenburg war durch seine Arbeit obendrein für anwendungsorientierte Projekte, wie die Konzipierung zeitgenössischer landwirtschaftlicher Bauten durch das Reichsernährungministerium und den Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums, interessant geworden. Zukunftspläne wie die Einrichtung einer Leitung aller deutschen Bauernhausmuseen in Cloppenburg blieben 1944 angedacht und wurden nie realisiert, zeigen aber die steigende Bedeutung des Museumsdorfes, das bis zum Kriegsende weiterarbeitete. Es erscheint überrraschend, dass das Cloppenburger Museum nicht – wie andere größere Museen geschlossen wurde. Die Schließung der Heimatmuseen nach der Stilllegung des Kulturlebens im Rahmen des „totalen Krieges“ scheiterte zuerst an dem bereits erwähnten Kompetenzkonflikt zwischen Reichserziehungsministerium und Reichspropagandaministerium. Dann wurden die Heimatmuseen zur Unterrichtung und Erbauung vor allem der Wehrmacht als kriegswichtig deklariert. Wie andere Museumspfleger lieferte Ottenjann für diese Argumentation, die auch dem Reichsbeauftragten für den totalen Krieg, Goebbels, einleuchtete, dem Deutschen Gemeindetag die notwendigen Zahlenunterlagen, die auf Besucherzahlen während des Krieges im fünfstelligen Bereich (15.000 – 25.000) verwiesen.

Zum Schluss: Was hat das mit der Provenienzforschung zu tun? Ohne die Klärung des Kontextes bleibt das konkrete politische und kulturelle Umfeld unscharf. Netzwerke und institutionelle Anbindungen, Sammlungsstrategien und die Finanzierung der Objektbeschaffung müssen in diesen Kontext eingebettet werden. Hier entstehen auch neue Perspektiven für die Provenienzforschung.