Verkäufe
Mit der Verfolgung, Vertreibung und Deportation jüdischer Bürger in den vom Deutschen Reich beherrschten Nachbarländern setzt eine beispiellose Raub- und Plünderungsaktion ein, die sich einerseits auf wertvollen Kulturbesitz, aber auch auf unzählige Objekte aus den Haushalten und Wohungen richtet. Dieses “Raubgut” wird in großem Umfang in das Reichsgebiet verbracht und dort zugunsten von Partei- und Staatseinrichtungen verkauft. Hier wird es dann unter Bezeichnungen wie “Hollandgut”, “Hollandmöbel” oder “Judenmöbel” gehandelt. Heute lässt sich dieser umfangreiche Handel vor allem noch in den Zeitungsanzeigen der Zeit sowie in den wenigen erhaltenen Verkaufslisten nachweisen.
Verkaufslisten von Hausrat aus geplünderten Wohnungen und Häusern jüdischer Bürger: Hollandmöbel

Berichte
Schilderungen von Transporten und Verkäufen geraubter Objekte finden sich sehr selten und in der Regel in sehr abgelegenen Quellen, die von ganz anderen Dingen handeln. Häufig sind es lokale autobiographische Quellen oder Ortsgeschichten, in denen beiläufig auch das Thema Raub oder “Hollandmöbel” einmal zur Sprache kommt.
Badbergen
Barssel
Wesermarsch
Helene Brauer-Dede
Meldungen aus dem Reich
Bether Dorfchronik
Wilhelmine Siefkes

Verordnungen
Planungen für Maßnahmen zur Erfassung, Entschädigung und Restitution geplünderter Güter setzten bei den Alliierten schon während des Krieges ein. Dabei ging es natürlich in erster Linie um die “großen” Dinge wie Maschinen, Schiffe, industrielle Infrastruktur etc. Aber auch für den Raub an privatem Besitz wurde schon früh über Möglichkeiten der Restitution und Kompensation nachgedacht. Dabei spielte seit 1945 die Frage einer angemessenen Definition des Begriffs der “Restitution” eine große Rolle, die auch in den Verordnungen der Militärregierungen ihren Niederschlag findet.
Die hier aufgeführten Texte verfolgen den Vorgang der Eigentumssicherung und Restitution von den Anfängen während der letzten Kriegsjahre über die Maßnahmen der Militärregierung(en) bis hinab zu exemplarischen Verwaltungstätigkeiten auf der kommunalen und lokalen Ebene. Grundlegende Gesetze und Verordnungen der 1950er Jahre zur “Wiedergutmachung” schließen diese Darstellung ab.
Der erste und grundlegende Text, auf den sich alle folgenden Verordnungen und Gesetze in diesem Bereich beziehen, ist jedoch die Londoner Übereinkunft der alliierten Mächte iervom 5. Januar 1943. Hier
Auf diese Vereinbarung folgen zunächst die Maßnahmen der vorrückenden Streitkräfte, hier vor allem die ersten Anordnungen der S.H.A.E.F., des “Supreme Headquarter of the Allied Expedition Forces” unter der Leitung des späteren amerikanischen Präsidenten, General Dwight D. Eisenhower. Der in diesem Zusammenhang wichtigste Text für geplündertes Eigentum ist das Gesetz Nr. 52. Auf diesen Gesetzestext beziehen sich in der Folge die ersten Verordnungen der Militärregierungen in den einzelnen Besatzungszonen aus dem Jahr 1945, wie etwa die Verordnung Nr. 6 der britischen Militärregierung. Mit den Gesetzen Nr. 52 und Nr. 53 traten im Augenblick der Besetzung Deutschlands durch die Alliierten zwei grundlegende Regelungen in Kraft, die während der SHAEF-Periode (Dezember 1943 bis 14. Juli 1945) galten und auch darüber hinaus Anwendung fanden. Während Gesetz Nr. 53 finanzielle Transaktionen von Personen in Deutschland mit auswärtigen Partnern verbot, blockierte Gesetz Nr. 52 Reichs- und Parteibesitz ebenso wie unrechtmäßig oder unter Zwang angeeignete Güter.
Auch die sehr kurze Verfügung Nr. 6 der Britischen Militärverwaltung, die im Frühjahr 1946 erstmalig eine allgemeine Regelung der Restitutionsverfahren zu schaffen sucht, nimmt ausdrücklich auf das vorhergehende Gesetz Nr. 52 Bezug. Sie schafft eine Meldepflicht für alle Vermögenswerte, die aus einem der von Deutschland besetzten Länder entwendet wurden und bekräftigt die Sperre gegenüber jeglicher Art der Veräußerung.
Zeitlich noch um etliche Monate davor liegen jedoch jene Maßnahmen vor Ort, mit denen die regionalen Kommandanten die Ämter oder Landkreise ganz gezielt anweisen, den aus den westlichen Nachbarländern – hier insbesondere aus den Niederlanden (“Hollandgut) – in Deutschland verteilten und vertriebenen Hausrat und dessen jetzige Besitzer zu benennen. D
Die gesetzlichen Akte zur “Wiedergutmachung” der frühen Bundesrepublik schufen dann für Entschädigungsverfahren in den 1950er Jahren einen eher defensiven Rahmen, der den Geschädigten auf beschämende Weise jahre- oder jahrzehntelange Bemühungen abverlangte.
Die folgende Auflistung von Originaltexten verfolgt diesen Prozess von Restitution und Entschädigung von der allgemeinen Verordnungsebene der Länder- und Landesverwaltungen bis in die lokale Ausführungsebene hinein.
His Majesty’s Government in the United Kingdom: Inter-Allied Declaration 1943
Military Government – Germany, Supreme Commander’s Area of Control: Law No. 52 – Gesetz Nr. 52
Military Government – Germany, Supreme Commander’s Area of Control: General Order No. 1 – Allgemeine Vorschrift Nr. 1
Militärregierung Deutschland – Britisches Kontrollgebiet: Allgemeine Verfügung Nr. 6 vom 3. April 1946
Bürgermeister der Stadt Cloppenburg: Schreiben an den Landrat, September 1945
Staatsministerium, Abteilung Inneres: Schreiben an Landräte und Oberbürgermeister, 1. April 1946

Quellen
Es gibt unzählige archivalische Quellen für den Handel mit Raubgut. Viele der unmittelbaren Belege sind allerdings in den letzten Wochen der nationalsozialistischen Herrschaft von Behörden und vor allem von Parteiorganisationen vernichtet worden. Die Recherche nach beweiskräftigem Ausgangsmaterial für eine Geschichte des Raubguthandels muss sich also auf alle einschlägigen regionalen und überregionalen Archive stützen, in denen entweder zur Zeit des Nationalsozialismus die Raub-, Transport- und Handelsvorgänge einen Niederschlag gefunden haben, oder in denen spätere Nachforschungen der Alliierten oder der bundesrepublikanischen Behörden diese Vorgänge rekonstruieren konnten.
Bundesarchiv
Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Oldenburg
Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Osnabrück
Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Aurich
Niedersächsisches Landesarchiv, Standort Oldenburg

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