Meldungen aus dem Reich

Heinz Boberach (Hrsg): Meldungen aus dem Reich 1938-1945. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938-1945. Herrsching 1984. Band 15: SD-Berichte zu Inlandsfragen vom 27. September 1943 (Weiße Serie), S. 5821

„Wie in diesem Zusammenhang weiterhin aus Münster und Frankfurt/Oder gemeldet wird, sei die Bevölkerung über die aus den besetzten Gebieten eingeführten alten Möbel, insbesondere die Judenmöbel, sehr enttäuscht. In der Meldung aus Münster heißt es hierzu, daß die erste Sendung derartiger Möbel zwar in einem einigermaßen annehmbaren Zustand angekommen sei, von der Bevölkerung aber deshalb nur schwer hätte verwendet werden können, weil diese aus größeren Villen stammten und sich deshalb zur Einrichtung kleinerer Wohnungen nicht eigneten. Eine weitere Sendung sei jedoch derart schlecht und voller Ungeziefer gewesen, daß das Mobiliar keinem Menschen hätte angeboten werden können. Eine dritte per Schiff erfolgte Lieferung sei schließlich nach wochenlangem Liegen wieder zurückgesandt worden, weil die Ladung an Möbeln, Lampen und alten Lumpen nicht wert gewesen sei, ausgeladen zu werden. Nach Angaben von Fachleuten sei dabei vielfach festzustellen gewesen, daß die Möbel bei der Verladung mutwillig zerstört worden wären. Ebenso berichtet Frankfurt/Oder, daß die aus den französischen Judenwohnungen eingeführten Möbel, Ofen und Herde zum größten Teil unbrauchbar gewesen seien. In dem Aktenvermerk einer Dienststelle heißt es hierzu wörtlich: ‚Ich schätze, daß etwa 50% dieser Möbel unbrauchbar sind, weil sie zum ältesten und wertlosesten Inventar gehören, was man sich überhaupt vorstellen kann, und weil sie durch offensichtlich unsachgemäße Verladung bereits so stark zertrümmert hier angekommen sind, daß eine Aufarbeitung nur mit allergrößten Schwierigkeiten möglich wäre. Von den restlichen 50% ist ein ganz kleiner Bruchteil alte deutsche Ware, die anscheinend als Reparationsleistung oder infolge des Auszuges der Juden aus Deutschland nach Frankreich gekommen ist. Ein erheblicher Teil der Ware besteht aus alten Möbeln. Nicht in den Kreis der Betrachtung gezogen sind die gleichzeitig mit dieser Sendung eingetroffenen Öfen und Herde. Zu diesen ist folgendes zu sagen: Zwei große Wagen voll Öfen und Herde bestanden zum großen Teil aus Schrott. Es fehlten von Gaskochern die Brenner, andere Gasöfen waren teilweise zerstört.‘ Aus Fachkreisen wird hierzu vorgeschlagen, daß es als weit zweckmäßiger und erfolgversprechender angesehen würde, wenn die Möbel- und Hausratindustrie der besetzten Gebiete zumindest für eine bestimmte Zeit voll für den deutschen Bedarf eingesetzt würde. Auch sei es sicherlich möglich, noch vorhandene Lagerbestände für den dringlichsten Bedarf der bombengeschädigten deutschen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.“