Museumsdorf Cloppenburg, 15. März 2016
Die Konferenz “Provenienzforschung im Nordwesten” gab in Vorträgen und Workshops einen Überblick über laufende und abgeschlossene Provenienzforschungsprojekte in Museen und Bibiotheken.
Sie stellte unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Identifizierung enteignungs- und vertreibungsbedingten Raubguts aus der Zeit des Nationalsozialismus vor und diskutiert Perspektiven der Provenienzforschung in kulturgeschichtlichen Sammlungen.

Entrechtung und Plünderung – Provenienzforschung in ihrem historischen Umfeld

Museumsdorf Cloppenburg, 24. Oktober 2017
Über zwei Jahre der Provenienzrecherche im Museumsdorf Cloppenburg gaben Anlass, einen Blick auf Ergebnisse und Perspektiven eines Projekts zu werfen, das über die reine Sammlungsinspektion hinaus sowohl die Geschichte des eigenen Museums wie auch den regionalen und überregionalen Horizont von Entrechtung und Plünderung in den Blick genommen hat. Neben der sorgfältigen Dokumentation der Provenienzen der Objekte in der Sammlung des Museums richteten sich die Fragestellungen des Projekts auf den Handlungshorizont des Museumsdorfes in der Zeit des Nationalsozialismus – seiner Gründungs- und Aufbauzeit – sowie auf das regionale historische Umfeld seiner Sammlungsaktivitäten. Eindrucksvoll ließ sich der Zustrom von Hausrat aus den vom Deutschen Reich besetzten Ländern – in der Zeit als „Hollandgut“ und „Judenmöbel“ bezeichnet – für ganz Weser-Ems dokumentieren. Der Privatbesitz von Raubgut in der Region erweist sich damit inzwischen als ein zentraler Aspekt jeglicher Sammlungsrecherche, und zwar nicht nur des Freilichtmuseums allein, sondern auch aller kleineren lokalgeschichtlich und heimatkundlich ausgerichteten Einrichtungen.
Zahlreiche grundsätzliche Probleme der Provenienzforschung in einem kultur- und alltagsgeschichtlich ausgerichteten Regionalmuseum wurden dabei angesprochen und haben der Projektarbeit im Museumsdorf Cloppenburg von Anfang an den Weg gewiesen. Die Konferenz sollte die Möglichkeit geben Bilanz zu ziehen, um die gewonnenen Erkenntnisse in die allgemeine Diskussion zur Provenienzforschung einzufügen und im Vergleich mit Ansätzen aus anderen Sammlungsbereichen und Museumssparten zu diskutieren. Die Konferenz führte damit einen Diskurs zur Provenienzforschung fort, der zu Beginn des Projekts in vergleichender Perspektive für den Nordwesten eingeleitet und in seinen Ergebnissen bereits publiziert wurde.
Die eintägige Konferenz diskutierte in ihrem ersten Teil allgemeine Fragen der Sammlungsgeschichte und Provenienzforschung anhand zahlreicher Beispiele und ging in ihrem zweiten Teil auf die Ergebnisse der Provenienzforschung des Museumsdorfes Cloppenburg im Rahmen der Museumsgeschichte ein.

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