Helene Brauer-Dede

Klaus Dede (Hg.): Helene Brauer-Dede: Frau Pastor. Oldenburg 1986, S. 199

„Wie aber, so fragten wir uns, sollten Juden dort, wo weit und breit niemand war, der sich mit ihnen solidarisieren konnte, eine Chance haben, der Vernichtung zu entgehen? Nein, es konnte gar keine Zweifel obwalten: Die Juden, die abtransportiert wurden, gingen dem sicheren Tod entgegen. Und die Nazis bestätigten dies mitten im Kriege auf ihre Weise. Plötzlich hieß es, man könne in Oldenburg Möbel kaufen. Es handelte sich, wie jeder wußte, um Haushaltsgegenstände aus aufgelösten jüdischen Wohnungen in den Niederlanden. Die Menschen waren in den Osten gebracht worden, und alle waren sich sicher, daß sie nicht zurückkehren würden. Ich möchte nicht wissen, in wie vielen Haushalten in Oldenburg sich noch heute Möbeln aus ehedem jüdischem Besitz befinden.“