Margarete Rosenbohm-Plate, Oldenburg

Am 13.4.1943 besprechen die Bürgermeister des Kreises Vechta auf einer Dienstversammlung beim Landrat Fragen des Wirtschaftsamtes, u. a. die Versorgung der Bevölkerung mit Textilien, Öfen, Herden, Fahrrädern, Kohlen, Schuhen und… Möbeln.

„…Etwas günstiger ist die Versorgung mit Möbeln anzusprechen. Es ist damit zu rechnen, dass pro Monat 15-16 Schlafzimmer und ebenso-viel Küchen zur Verfügung stehen. Gebrauchte Hollandmöbel werden bekanntermaßen jetzt in der Nähe von Vechta verkauft. Es ist beabsichtigt, die nächste Lieferung (Kahnladung) im Süden des Kreises zu lagern, evtl. in Damme. Die Bürgermeister dieses Gebietes werden zweckmäßigerweise die Einlagerungsmöglichkeit bei sich prüfen und an den Landrat kurzfristig berichten.“1

„Gebrauchte Hollandmöbel“ sind Haushaltsgegenstände und Möbel aus Wohnungen deportierter holländischer Juden, ein Teil der „M-Aktion“ des Einsatzstabes Rosenberg für die Versorgung der bombengeschädigten deutschen Bevölkerung.2 Der Volksmund nennt sie „Judenmöbel“. Nicht nur der sozialpsychologische Effekt macht die Käufer blind.

Im Dezember 1942 und Anfang 1943 kommen die ersten von 13 Kahnladungen mit dem Inventar ausgeraubter Wohnungen holländischer Juden aus Amsterdam, Rotterdam und Den Haag in Oldenburg an.3 Die Sachen wurden aus einem Sammellager in Amsterdam unter der unverfänglichen Bezeichnung „Argentinien“ von der Spedition Kühne & Nagel auf gecharterte Kähne oder Waggons verladen. Eine Kahnladung ist für den Landkreis Vechta bestimmt. Ein Beispiel:

Am 19. März 1943 landet, wie der Eingangsstempel des „Einsatzstab(es) Rosenberg“ zeigt, der Kahn „Damco 48“4 des Schiffers v.d. Kroon im Oldenburger Hafen. Die Ladung ist detailliert aufgelistet, ebenso Beginn und Beendigung der Beladung sowie die Abfahrt des Kahns in Amsterdam an der „Oostelijke Handelskade“ mit Unterschrift des Kontrolleurs und dem Stempel der Spedition Kühne & Nagel.5 Fünf Tage dauerte es, bis alles verstaut war:

„9 Gasöfen, 20 Herde, 1 Kinderwagen, 101 Kissen, 73 Sessel, 80 Lampen, 45 Nahtschränkchen6, 6 Nähkörbchen, 12 Nähmaschinen, 3 Petroleumkocher, 148 Schränke, 56 Spiegel, 53 Ständer, 600 Stühle, 46 Teemöbel, 170 Teppiche, 195 Tische, 53 Trittleitern, 1 Uhr, 10 Waschkessel, 118 Wandbilder, 1 Möbelkoffer mit Töpfen und Bratpfannen“ u.a.

Die Kähne mit dem begehrten „Haushaltsgut“ aus Holland fahren nicht nur über die Weser, sondern wohl vorwiegend über die Ems, den Küstenkanal und den Mittellandkanal in den ehemaligen Gau Weser-Ems. Die Bürgermeister und Landräte organisieren für die Wirtschaftsämter das Ausladen der Kähne und den Transport des „Judengut[es]“7 in ihre Gemeinden.

Die „Damco 48“ nimmt höchstwahrscheinlich den Weg über den Küstenkanal. Die Fahrt von Amsterdam nach Oldenburg dauert vom 13. bis zum 19. März. Die Ladung wird dort auf verschiedene Wirtschaftsämter des Gaus verteilt. Die Möbelstücke werden von dem amtlichen Auktionator Heinrich Hillje8 aus Oldenburg geschätzt und sollen zu festgesetzten Preisen an „Fliegergeschädigte und notleidende Volksgenossen“ auf Berechtigungsscheine verkauft werden. Das ändert sich schnell. Parteidienststellen, NSV und Wehrmacht zahlen auf Anordnung der Gauleitung nicht.9 Nach einiger Zeit kann jedermann von dem Angebot profitieren.

Die Unterlagen der Wirtschaftämter werden bei Kriegsende auf Anweisung der Gauleitung wohlweislich vernichtet und der Verbleib des Verkaufserlöses verschleiert.
Im Bereich Vechta lassen sich anhand von Verkaufsanzeigen in der „Oldenburgischen Volkszeitung“ von März bis Oktober 1943 drei Verkaufsstellen nachweisen:

1. Bei Die ehemalige Ziegelei Menke in Bergstrup

 

 

 

 

(Foto M. Rosenbohm-Plate)

 

 

2. Bei der Versandschlachterei Alois Hönemann in Dinklage

 

 

 

 

 

(Joseph Dödtmann, Heimatverein Dinklage: Luftbild 50er Jahre)

 

3. Bei der Schützenhalle in Damme

 

 

 


Das Foto zeigt das große feststehende Tanzzelt des Dammer Schützenvereins. Es wurde in den 40er Jahren mit Brettern zugenagelt „ und diente der Unterbringung von Reparationsgut.“ (Medienarchiv des Stadtmuseums Damme, Foto ca. 1930)

 

Die Verkäufe werden vom Gauleiter dirigiert und über die Wirtschaftsämter von den Landräten oder Bürgermeistern veranlasst. Bisher sind nur Anzeigen für den Bereich Vechta bekannt.

 

 

 

Die Anzeige vom 29.3.1943 für den „Verkauf von gebrauchten Haushaltungsgegenständen“ benennt den Verkaufsort (Haus der Witwe Menke in Bergstrup, eine ehemalige Ziegelei) und den Auftragsgeber (das Wirtschaftsamt Vechta und seinen Leiter Landrat Bruns). Der Verkauf wird weder auf Bombengeschädigte oder kinderreiche Familien beschränkt.

 

 

 

 

 

Die Verkaufsanzeige vom 15.5.1943 beschreibt detailliert das Angebot bei der Versandschlachterei Hönemann in Dinklage, auch hier wieder ohne Beschränkung.

 

 

 

 

 

Die detaillierte Verkaufsanzeige vom 25.8.1943 bei der Schützenhalle in Damme zeichnet Oberinspektor Jaspers als Vertreter des Landrats. Den Vorzug haben Fliegergeschädigte mit Zuzugsgenehmigung, hier wahrscheinlich Frauen und Kinder aus Wilhelmshaven.1

 

 

Die folgende Zusammenstellung der Anzeigen verdeutlicht ihre Häufigkeit und auch, wie selten auf den Bezug von Bombengeschädigten, Kinderreichen und Jungverheirateten hingewiesen wird:

Anzeigen des Wirtschaftsamtes Vechta in der Oldenburgischen Volkszeitung

„ bei dem Hause der Ww. Menke in Bergstrup“
13. März 1943 Verkauf von gebrauchten Haushaltungsgegenständen gegen Barzahlung
16. und 18. März 1943 Fortsetzung des Verkaufs
30. März 1943 Verkauf von gebrauchten Haushaltungsgegenständen
31. März 1943 Fortsetzung des Verkaufs
1. April 1943 Fortsetzung: vorwiegend Stühle, Tische, Schränke und sonst. Kleinmöbel
2./3. April 1943 (Freitag/Samstag) Fortsetzung
8. April 1943 Tische, Stühle, Kleinmöbel, Wohnzimmerschränke, Anrichten, z.T. gut erhalten
30. April 1943 Einzelne Schränke, gut erhaltene eichene Büffetts, Anrichten, Kredenzen, Tische, Nachtschränke, Bettstellen mit und ohne Aufleger, ein großer Posten guter Polsterstühle und -sessel, 1 Chaiselongue, Sofakissen, Betten, Portieren, Steppdecken usw, auch ein Posten Bekleidungsstücke für Ostarbeiter passend.
7. Mai 1943 Sonnabend Verkauf nur vormittags
8. Mai 1943 Ca. 30 gute eichene Bettstellen 1- u. 2-schläfrig mit Matratzen und guten Auflagen, mehrere gut erhaltene Kleiderschränke, Nachtschränke und sonstiges. An Jungverheiratete, auch an solche, die bereits einen Antrag auf Erteilung eines Bedarfscheines gestellt haben, können beim Verkauf mehrere kompl. Schlafzimmereinrichtungen zugeteilt werden.
26. Mai 1943: Möbel aller Art, darunter ein schweres eichenes Eßzimmer
5. Juni 1943 Verkauf gegen Barzahlung: Gebrauchsporzellan (Einzelteile, also keine vollständigen Services irgendwelcher Art, zum Teil leicht beschädigt). Die Abgabe erfolgt nur in kleinen Mengen gegen Vorlage des Haushaltsausweises an Familien, in denen tatsächlich dringender Bedarf vorhanden ist. Ohne Vorlage des Haushaltsausweises werden in keinem Falle Sachen abgegeben. Packmaterial und Kleingeld sind mitzubringen.
30. August 1943: U.a. einzelne Büfetts, Wäscheschränke, Sessel, Wohnzimmereinrichtungen, Matratzen verschiedener Größe, Steppdecken, Portieren, usw. Fliegergeschädigte, die im Kreise Vechta vom zuständigen Bürgermeister eine Zuzugsgenehmigung erhalten haben und nachweislich über eine Wohnung verfügen, haben den Vorzug.
4. September 1943: Mehrere Einzelmöbel als: Kleider- und Wäscheschränke, einzelne Bufetts, Wohnzimmer – Schränke, Kredenzen, Nachtschränke, Bücherregale, Tische aller Art, Blumenständer, Stühle, Sessel, Drahtmatratzen für ein- und zweischläfrige Bettstellen (80 und 120cm breit), auch kompl. Bettstellen mit Auflagen soweit vorhanden und 5 komplette Wohnzimmereinrichtungen.

„bei der Versandschlachterei Aloys Hönemann in Dinklage“:
7. Juli 1943: Kleinmöbel aller Art, Einzelmöbel: Büfett, Vertiko, Kleider- und Wäscheschränke, Schreib- und andere kleine Tische, ein Posten Stühle u. Sessel u. eine Anzahl gut erhaltener Stubenöfen.
10. Juli 1943: Mehrere kompl. Eß- u. Schlafzimmer, ein größerer Posten Bettstellen mit Auflagen, Bettcouches, Chaiselongues, mehrere Teppiche, Läufer, Portieren evtl. auch noch Stühle u. Sessel.
22. Juli 1943: Verkauf 8.30 Uhr beginnend: Porzellan, Emaille- und Glaswaren, Teppiche, Läufer, Portieren usw., nachmittags 3.30 beginnend: Möbelstücke, wie einzelne Büfetts, Wäsche- u. Kleiderschränke, Waschkommoden, einzelne Wohn- u. Eßzimmer, 2 große moderne Ladenregale (für jedes Geschäft passend), Bettstellen, Stühle u. Sessel, sowie einzelne gut erhaltene Stubenöfen (Holländer Art).

„bei der Schützenhalle in Damme“:
31. Juli 1943 Einzelne Büfetts, Kleider- u. Wäscheschränke, Sessel und Stühle, Chaiselongues, Bettstellen, sowie eine Partie Portieren, Läufer, Teppiche, Emaille- u. Zinkwaren, Glas- u. Porzellanwaren, eine Partie Oefen (Holländer Art).
25. August 1943 Ein Posten Stühle, Tische, Kleinmöbel aller Art, Kleider- u. Wäscheschränke, einige Kommoden, einzelne Büfetts, Wohnzimmereinrichtung, Bettstellen verschiedener Art mit Auflegern, Bettcouches, Sessel, Steppdecken, Portieren, Läufer usw. Fliegergeschädigte, die im Kreise Vechta vom zuständigen Bürgermeister eine Zuzugsgenehmigung erhalten haben und nachweislich über eine Wohnung verfügen, haben den Vorzug.
8. Oktober 1943 Kleider- Wäsche- u. Wohnzimmerschränke, einige kompl. Eßzimmer, Tische versch. Art, Bettstellen mit Matratzen und Aufleger, Stahlmatratzen zu 80 u. 120 cm Breite, Stühle und Sessel, eine Partie Glas- und Emaillewaren, Portieren usw. Fliegergeschädigte, die im Kreise Vechta mit Genehmigung des zuständigen Bürgermeisters einen eigenen Hausstand führen (durch eine entsprechende Bescheinigung nachzuweisen) werden vorzugsweise berücksichtigt.

Mit dem Verkauf der Möbel und Haushaltsgüter wird der Möbelhändler Josef Bussman aus Vechta beauftragt. Er verfasst am 29.1.1946 die bisher einzige bekannte Liste der Käufer.

„Die unten aufgeführten Namen habe ich noch im Gedächnis und gebe dieselben nach besten Wissen und Gewissen bekannt. Die vorhandenen Möbelstücke wurden restlos von dem Herrn Oberinspektor Jasper den Leuten zugeteilt und wurden auch an den Herrn bezahlt, bzw. zog er die Beträge ein.
Ich möchte aber ausdrücklich darum bitten diese Angabe vertraulich zu behandeln…“

Unter den Käufern sind u.a. „Landrat Bruns Vechta, Oberinspektor Jasper Vechta und dessen Verwandte in Augustfehn…“, Julius Maß Ortsgruppenleiter von Vechta, Josef Gausepohl Damme Kreisleiter (Vechta?)11,… der Sekretär des Kreisleiters, die Frauenschaftsleiterin und der Adjutant vom Gauleiter, die NSV, NSDAP, Gendarmerie und Lehrerbildungsanstalt Vechta, ein Finanzinspektor, ein Regierungsrat , ein Arzt, Einwohner von Vechta, Neuenkirchen i/O, Lohne, Dinklage, Damme, Ihorst , Wwe Menke Bergstrup und zwei Ausgebombte. 12

In der „Münsterländischen Tageszeitung“ finden sich für den Bereich Cloppenburg keine Verkaufshinweise. Der Verkauf der „Judenmöbel“ muss auf andere Weise bekannt gemacht worden sein.
Die Militärregierung fordert nach Kriegsende die Rückgabe und eine Käuferliste. Der Bürgermeister von Cloppenburg wendet sich am 3. September 1945 ratsuchend an den Landrat „…über die im Frühjahr aus Holland geholten Möbel (wie er sich vorsichtig ausdrückte). Ich bitte daher den Herrn Landrat, einen Aufruf zu erlassen, und denselben in den Kirchen verlesen zu lassen, dass sämtliche Personen sich melden müssen, welche aus der Markthalle Möbel gekauft … haben. Sollte es nicht gelingen, einen erheblichen Teil der Möbel zu erfassen, dann hat die Bevölkerung mit großen Schwierigkeiten zu rechnen.“13

Daraufhin fordert der Landrat sämtliche Bürgermeister seines Kreises am 4.9. auf: „Ich bitte durch Anschlag unverzüglich bekannt zu machen, dass sämtliche Judenmöbel bis zum 15.9.1945 auf Anordnung der Militärregierung bei Ihnen anzumelden sind.“14

Bis Ende September 1945 melden die Bürgermeister Namen der Käufer von „Judenmöbeln“ u.a. aus:
Vehrensande, Altenbunnen, Löningen, Benstrup, Cloppenburg, Emstekerfeld, Friesoythe, Schwaneburgermoor, Schlingshöhe, Edewechterdamm, Altenoythe, Bösel-Hinterland, Bösel, Ikenbrügge, Hohefeld, Strücklingen, Barßel, Elisabethfehn, Harkebrügge, Wittensand, Utende, Barsselermoor, Bollingen, Bibelte, Neulohe bei Barssel, Emstek, Echterholz, Drantum, Halen, Höltinghausen, Essen i.O, Felde, Bartmannsholte, Uptloh, Ahausen, Osteressen, Brokstreek, Garrel, Falkenberg, Amerika, Varrelbusch, Nikolausdorf, Lastrup, Marren, Lindern-Nord, Lindern, Hamstrup, Timmerlage, Oldendorf, Schnelten, Löningen, Molbergen, Dwergte, Ermke, Scharrel, Sedelsberg, Nikolausdorf.

Bisher sind folgende Verkaufsstellen bekannt:

  • Markthalle in Cloppenburg15
  • Gasthaus Thole Vorwerk, Molbergen16
    „Sämtliche Möbeln waren im Saal von Thole untergestellt…“
  • Lüchtenborgs Wirtschaft, Friesoythe17 Die Wirtschaft lag am Friesoyther Kanal, wo die alte Sedelsberger Straße rechtwinklig abknickt.18
  • Tiedekenscher Saal an der Wasserstraße in Nähe des Rathauses Friesoythe. Seit 4 Tagen werden im Tiedekenschen Saal mit Lastautos von Sedelsberg vom Kanal jüd. Möbeln angefahren, die von Holland kommen (Betten, Hausgerät u. Möbeln). 19
  • …auf dem Platz vor der Ortmann´schen Scheune, Hamstruperstraße in Lastrup
    Noch 1948 wurde…vom Gemeinderat erwogen, ob man nicht die „verkauften Judenmöbel“ an die Flüchtlinge
    ausgeben könnte.20
  • das frühere Jugendheim an der Bahnhofstraße in Bösel Einige Böseler griffen ungeniert zu“, wissen Augenzeugen zu berichten, „und es würde mich nicht wundern, wenn das eine oder andere Gemälde, vielleicht eine Anrichte oder ein Sofa noch in Böseler Haushalten steht.21

 

 

 

 

Jugendheim Bösel 1933, später Festsaal Archiv Martin Pille

 

  • Moslesfehner Brückenhaus, Südmoslesfehn (am Küstenkanal) …in dem während des Krieges – nach Darstellung meiner Oma – während  des Krieges ´jüdische Möbel` an die Landbevölkerung  ´vergeben` wurden. Angeliefert per Schiff über den Küstenkanal.22
  • Friesoythe: Gymnasium 23 “Auf dem Gelände des heutigen Gymnasiums stand eine Stadt- und Sporthalle. In diesem Gebäude befand sich unser Klassenzimmer. In der Halle wurden dann eines Tages Möbel und andere Sachen gelagert, die per Schiff wohl über Ems und Küstenkanal in Kampe an Land gebracht wurden.
  • „Weiter wurde im alten Hafen in Barßel direkt beim Ortseingang  eines Tages Mobiliar per Schiff über Ems Leda und Barßeler Tief angelandet und im damaligen Gasthof und Saalbetrieb  Boss Eilert gelagert und an Barßeler Bürger verkauft.“24

 

Mit der Abwicklung der Geschäfte im Oldenburger Münsterland sind die Wirtschaftsämter betraut:

Wirtschaftsamt Vechta, Leiter Landrat Bruns. Sein Vertreter Reg. Insp. Jasper teilt die Möbel zu und zieht die Beträge ein.
Wirtschaftsamt Cloppenburg, Leiter Landrat Münzebrok, Vertreter Reg. Oberinsp. Kraft.

„Die Erlöse aus der sog. Holland-Möbel-Aktion“ werden an das Landeswirtschaftsamt in Bremen, Konto 7118 Bremer Landesbank überwiesen25 und von dort an die Gauleitung weitergeleitet. Sämtliche Unterlagen in Bremen werden auf Weisung des Leiters bei Kriegsende vernichtet.

Einige Beispiele mögen das Ausmaß der Erlöse der Gauleitung (nach Abzug der Unkosten) andeuten: Stadt Oldenburg 368.014,23 RM, Stadt Wilhelmshaven 92.980,51 RM, Stadt Delmenhorst 225.723,32 RM26, Landkreis Oldenburg 161.724,43 RM, Landkreis Friesland 74.822,80 RM, Landkreis Vechta 235.764,42 RM, Landkreis Wesermarsch 126.140,81. Für die Landkreise Ammerland und Cloppenburg liegen keine Zahlen vor.27

Anmerkungen

1. NLA OL, Best. 231-5, Nr. 422 Aus einem Protokoll der Dienstbesprechung der Bürgermeister des Kreises Vechta beim Landrat am
13.4.1943, anwesend war auch der Kreisleiter Willy Meyer Wendeborn aus Cloppenburg.

2. Ausführlich dargestellt in meinem 2003 im Oldenburger Jahrbuch erschienenen Aufsatz: Hollandmöbel – Auslandsmöbel – Judenmöbel
digital.lb-oldenburg.de/ihd/content/pageview/154415. Dazu als Korrektur: Inzwischen sind 13 Kahnladungen für Oldenburg und 43 für Bremen nachgewiesen. Es gab keine Versteigerungen von „Hollandgut“. Die Erlöse wurden an das Landeswirtschaftsamt Bremen überwiesen und von dort an die Gauleitung weitergeleitet.

3. NLA OL, Rep 400, Best. 136, Nr. 23809. Bericht über die Holland-Möbelaktion. Der Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg. Wirtschaftsamt. 23.8.1945.

4. Damco 48: Baujahr 1893, Länge: 57,15m, Breite: 8,04m, Tiefgang: 2,08m, Tragfähigkeit: 614 Tonnen.

5. NLA OL, Rep 400, Best. 136, Nr. 23809.

6. Gemeint sind wohl Nachtschränkchen. Im Folgenden zitiere ich ohne orthographische Korrekturen.

7. NLA OS, Dep 75b, Nr. 82: „Abrechnung über die Verwertung des der Stadt Haselünne zugewiesenen Möbeln und Hausrat (Judengut)“ vom 2. September 1943.

8. Heinrich Hillje, geb. 6.2.1886, war außerdem an Arisierungsgeschäften und Versteigerung von jüdischem Umzugsgut beteiligt. Nach dem Krieg war er noch 1950 als öffentlicher Versteigerer der Stadt Oldenburg zugelassen.

9. Vgl. NLA OL, Rep 400, Best. 136, Nr. 23809, 23.8.1945

10. Paul Wöhrmann (Hg.) : 150 Jahre Schützenverein Damme, Damme 1988, S. 247.

11. Michael Rademacher: Die Kreisleiter der NSDAP, Marburg 2005, S. 408.

12. NLA Rep. 400 Best. 136 Nr. 23809.

13. NLA OL 231-6 Nr. 672.

14. dto.

15. NLA OL 231-6 Nr. 672, Schriftwechsel mit den Militärbehörden.

16. a.A.o.

17. a.A.o.

18. Daran erinnert sich der Leiter des Heimatmuseums Friesoythe, Ferdinand Cloppenburg.

19. Aus den Aufzeichnungen des damaligen Vikars Theodor Hörstmann im 2. Band der Pfarrchronik auf S. 102, Eintrag vom 9. Januar 1943:, Mitteilung von Ferdinand Cloppenburg.

20. In: Claus Lanfermann: Lastrup. Eine Gemeinde im Oldenburger Münsterland, Band 2, 2005 S. 820f.

21. Martin Pille: Jüdisches Beutegut gelangte auch nach Bösel. Einwohner als Profiteure der Judenmorde. In: „Dat Spräkrohr“, Mitteilungsblatt des Heimatvereins Bösel, Nr. 112, Juni 2015.

22. Auskunft von Werner Oeltjebruns, Hinweis von Martin Pille, Bösel.

23. Mitteilung von Herrn  Ahlrichs, Bokelesch vom 28.8.2017.

24. Mitteilung von Herrn Ahlrichs, Bokelesch vom 28.8.2017.

25. NLA OL, Best. 231-5, Nr. 459.

26. Archiv Delmenhorst: 37 Rechnungsprüfungsamt Verschiedene Verfügungen v. 17.7.1945; Archiv Delmenhorst: Niederschrift über die
Besprechungen des Oberbürgermeisters mit den Beigeordneten v. 25.7.1945, S. 39f.

27. NLA OL, Rep 400, Best. 136 Nr. 23809.

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