Entrechtung und Plünderung - Provenienzforschung in ihrem historischen Umfeld

Museumsdorf Cloppenburg, 24. Oktober 2017, 10-18 Uhr
Münchhausenscheune, Vortragssaal
Über zwei Jahre der Provenienzrecherche im Museumsdorf Cloppenburg geben Anlass, einen Blick auf Ergebnisse und Perspektiven eines Projekts zu werfen, das über die reine Sammlungsinspektion hinaus sowohl die Geschichte des eigenen Museums wie auch den regionalen und überregionalen Horizont von Entrechtung und Plünderung in den Blick genommen hat. Neben der sorgfältigen Dokumentation der Provenienzen der Objekte in der Sammlung des Museums richteten sich die Fragestellungen des Projekts auf den Handlungshorizont des Museumsdorfes in der Zeit des Nationalsozialismus - seiner Gründungs- und Aufbauzeit - sowie auf das regionale historische Umfeld seiner Sammlungsaktivitäten. Eindrucksvoll ließ sich der Zustrom von Hausrat aus den vom Deutschen Reich besetzten Ländern – in der Zeit als „Hollandgut“ und „Judenmöbel“ bezeichnet – für ganz Weser-Ems dokumentieren. Der Privatbesitz von Raubgut in der Region erweist sich damit inzwischen als ein zentraler Aspekt jeglicher Sammlungsrecherche, und zwar nicht nur des Freilichtmuseums allein, sondern auch aller kleineren lokalgeschichtlich und heimatkundlich ausgerichteten Einrichtungen.
Zahlreiche grundsätzliche Probleme der Provenienzforschung in einem kultur- und alltagsgeschichtlich ausgerichteten Regionalmuseum sind dabei angesprochen und haben der Projektarbeit im Museumsdorf Cloppenburg von Anfang an den Weg gewiesen. Nunmehr ist daher eine Bilanz zu ziehen., um die gewonnenen Erkenntnisse in die allgemeine Diskussion zur Provenienzforschung einzufügen und im Vergleich mit Ansätzen aus anderen Sammlungsbereichen und Museumssparten zu diskutieren. Die Konferenz führt damit einen Diskurs zur Provenienzforschung fort, der zu Beginn des Projekts in vergleichender Perspektive für den Nordwesten eingeleitet und in seinen Ergebnissen bereits publiziert wurde (http://www.provenienzforschung.info/02_beitraege). Die eintägige Konferenz diskutiert in ihrem ersten Teil allgemeine Fragen der Sammlungsgeschichte und Provenienzforschung anhand zahlreicher Beispiele und geht in ihrem zweiten Teil auf die Ergebnisse der Provenienzforschung des Museumsdorfes Cloppenburg im Rahmen der Museumsgeschichte ein.

Programm

9.30 Anreise und Registrierung

  • Uwe Meiners, Cloppenburg: Begrüßung

10:10-13:00 Vorträge

  • 10:00-10:30 Markus Walz, Leipzig: Von der idealen zur realen Dingbiografie - Der Wandel der volkskundlichen Sammlungstheorie als Hemmschwelle der Provenienzforschung
  • 10:30-11:00 Siegfried Becker, Marburg: Museale Inszenierungen der “Bauernkunst”. Albrecht Kippenbergers Ausstellungskonzept im Marburger Universitätsmuseum 1937
  • Jens Hoppe, Frankfurt a. M.: Best Practice in der Provenienzforschung aus der Sicht einer Verfolgtenorganisation (Claims Conference)

13:00-14:00 Mittagsbrunch

14:00-17:30 Vorträge und Berichte

  • Karl-Heinz Ziessow, Cloppenburg: Die „Monuments Men“ in der Region - Frühe Restitutionsrecherchen der britischen Militärregierung
  • Christina Hemken, Cloppenburg: Raubgut vor Ort? Güterströme und Sammlungsabgleich
  • Margarete Rosenbohm-Plate, Oldenburg: “Judenmöbel” für Bombengeschädigte - der finanzielle Profit der Gauleitung
  • Joachim Tautz, Oldenburg: Das Museumsdorf Cloppenburg im Kontext der Verbände der Heimatbewegung
  • Joachim Tautz, Oldenburg: Das Museumsdorf Cloppenburg im Kontext der Verbände der Heimatbewegung

17:30-18:00 Abschlussdiskussion

Das Provenienzforschungsprojekt „Das Museumsdorf Cloppenburg während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft – Sammlungsgeschichte in ihrem institutionellen Kontext“ wird durch die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg, und durch den Bezirksverband Oldenburg gefördert.